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5. Mrz. 2018

Interview mit den Sommelier Claudia Fath und Hermann Lankmaier

"Schade, dass man Wein nicht streicheln kann"

Interview mit den Sommelier Claudia Fath und Hermann Lankmaier

Meinte jedenfalls Kurt Tucholsky. Wenn man jedoch sieht, wie liebevoll die Sommelier Claudia Fath und Hermann Lankmaier mit den Schätzen im gut sortierten Weinkeller der BURG umgehen – dann hatte der Dichter wohl nicht recht. Wir haben die Beiden gebeten, uns etwas über ihre Arbeit im Allgemeinen und ihre geheimen Weinvorlieben im Speziellen zu erzählen.

Ich bin Weinneuling und komme auf der Suche nach einem guten Glas in den Weinkeller der BURG – was empfehlen Sie mir? Womit starten wir am besten?
Hermann Lankmaier: Am besten beginnen wir mit einem österreichischen Weissen, etwa ein lieblich leichter Muskateller aus der Südsteiermark, oder ein leichter Grüner Veltliner aus der Wachau, dem Kamptal oder dem Kremstal ...

Es ist Anfang Februar – gibt es eine Flasche aus dem Burg Keller, die besonders gut zur Jahreszeit passt?
Claudia Fath: Ein Grüner Veltliner, im Winter eher von der mittelkräftigen Sorte, das wäre typisch österreichisch. Jedenfalls nichts mit zu ausgeprägter Frucht oder Säure, und schon gar kein extremes Barrique.

Was macht überhaupt einen guten Wein aus?
HL: Er muss sauber und ehrlich gemacht, harmonisch und rund sein und eine gewisse Reife besitzen ... aber vor Allem muss er ganz einfach schmecken.
CF: Er muss Spass machen beim Trinken, ein Wein, von dem man gern ein Glas mehr nimmt, in einer Runde auch eine Flasche mehr ...

Was war der aussergewöhnlichste Wein, den Sie jemals gekostet haben, oder anders gefragt: Ihr beeindruckendstes Weinerlebnis?
HL: Wenn ich mich für einen entscheiden müsste, dann wäre es eine Fassprobe in Portugal bei Niepoort, die seit fünf Generationen Portwein herstellen – wir konnten einen Vintage Port aus 1863 verkosten ...
CF: Am beeindruckendsten waren immer die Reisen mit Club dem Sommeliers Arlberg, wobei ich meinem Chef Gerhard Lucian dankbar bin für die Aufnahme. Gemeinsam waren wir eigentlich auf allen Kontinenten, inklusive Australien, Argentinien und Chile. In Europa konnte ich Italien kennenlernen, mich ins Bordeaux und Burgund vertiefen, Portugal entdecken ... in besonderer Erinnerung geblieben ist mir auch eine vertikale Verkostung Sassicaia im Burg Hotel.

Welche Rolle spielen ein grosser Name oder ein hoher Preis beim Genuss?
CF: Für mich als Sommeliere sind „grosse Namen“ nicht wichtig. Da unsere Gäste aber wissen, wie gut unser Keller bestückt ist, kommen manche mit der App eines Gastroführers in den Keller, weil sie ganz konkrete Wünsche haben. Sie suchen dann gezielt einen seltenen Jahrgang von Chateau Palmer oder den legendären Singerriedel 2015 von Franz Hirtzberger oder Admiral und Mystique von Pöckl am Neusiedlersee.

Wieviel darf Wein kosten, um noch Spass zu machen?
HL: Meine ganz persönliche Schmerzgrenze, wenn ich privat ganz normal essen gehe liegt bei etwa € 100, wenn man sich mit Weinfreunden trifft, kann das natürlich schnell mehr werden ...

Gibt es für Sie eine Lieblings-Weinbauregion?
HL: In Österreich sind das die Südsteiermark und die Wachau. International beeindrucken mich vor Allem die Toskana und das Burgund, sowohl bei den weissen als auch bei den roten Weinen.
CF: Das Kremstal und das Kamptal, auch aufgrund der persönlichen Bekanntschaften.

Was muss ein Wein „können“, um es in den Keller der BURG zu schaffen?
HL: Er muss uns überzeugen. Egal, ob es ein „Klassiker“ oder eine Neuentdeckung ist ...

Wie viele Weine haben Sie – so ungefähr gerechnet – in Ihrer Karriere als Sommelier schon degustiert? Wieviel Geld muss man vertrinken, bis man annähernd Ahnung hat?
HL: Jetzt einmal ganz grob gerechnet … ich bin 25 Jahre lang Sommelier, hab in dieser Zeit vielen Winzern und ihren Kellern meine Aufwartung gemacht, Fassproben gekostet, eine Menge Weinmessen besucht, bei denen man bis zu 300 oder 400 unterschiedliche Weine degustiert. Bei 1.500 Weinen pro Jahr und 25 Jahren kommt da schon etwas zusammen (lacht)
CF: Sehr, sehr viele ...

Was war Ihr letzter privater Kauf?
HL: Etwas aus dem Bordeaux oder ein Kollwentz … das weiss ich jetzt nicht mehr genau.
CF: Grüner Veltliner Hölle (Weingut Topf), vinifiziert von den Jungönologen Hans-Peter und Maximilian, ein Champagne Ruinart Rosé und ein Blaufränkisch von Prieler.

Wenn Sie auf eine Weinreise gehen könnten, egal was es kostet, wohin würde Ihre Reise gehen?
HL: Ganz klassisch: Burgund oder Bordeaux.
CF: Nach Deutschland, an die Mosel oder in den Rheingau, vielleicht auch noch an die Saar. Und jedenfalls nach Bulgarien und Rumänien ... das ist Neuland, da gibt es viel Neues zu entdecken.

Die Weine für die „einsame Insel“, in rot, weiss, prickelnd – und wenn Sie wollen natürlich auch „orange“?
HL: Ganz eindeutig: Der Honivogl vom Weingut Hitzberger. Ich kenne diesen Wein, bin seit 15 Jahren bei der Weinlese dabei und nehme ihn auch immer mit, wenn ich auf Reisen gehe. Der war schon in Key West, in San Diego oder in Australien, selbstverständlich in der Grossflasche! ...
CF: Ein Sauvignon, aber nein: Nicht aus Frankreich. Meine Wahl fällt auf den Sauvignon Zieregg 09 von Tement.

Claudia Fath, BURG Sommelier
Hermann Lankmaier, Falstaff Sommelier des Jahres 2013

Burg Weinkeller

Kategorien: Burg News

TAGs: Wein

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