DIE LUST AM GLÜCK
Artikel vom 13.01.2026
KNOCHENWÜRFEL UND LOTTO-STEUER
Technik, Regeln und Moralvorstellungen haben sich im Laufe der Zeit verändert. Aber der Kick aus Zufall und Hoffnung, gewürzt mit einer Prise von sozialem Ritual, ist so alt wie die Menschheit selbst. Schon in der Antike wurde mit sogenannten Astragalen (Knochenwürfeln) um Geld oder Gegenstände gezockt. Seit dem 15. Jahrhundert gibt es schon Lotto – das im Übrigen im 17. Jahrhundert in den Niederlanden zu einem beliebten Mittel wurde, um öffentliche Projekte zu finanzieren. Als „schmerzlose Steuer“, weil die Leute freiwillig Zahlen kauften. Zur selben Zeit, 1638, entstand mit dem „Il Ridotto“ in Venedig auch der erste Vorläufer der Casinos. Damals noch extrem exklusiv, nur für den Adel zugänglich und mit strenger Maskenpflicht. Ab den 1930er Jahren wurde dann eine Stadt voller Neon und Glitzer zur ultimativen Pilgerstätte für alle, die sich am Roulette-Tisch, beim Poker oder an einem Automaten versuchen wollten: Las Vegas. Der rote Faden durch alle Zeiten hindurch? Streit, Schulden, Gesetze, Verbote – und die alles überwindende Lust am Spiel.
BELOHNUNG UND NERVENKITZEL
Aber: Warum bereitet uns das Spielen eigentlich solche Freude, dass wir uns fast physisch davon angezogen fühlen? Ganz einfach: Weil es uns tatsächlich körperlich beeinflusst. Unvorhersehbare Gewinne (vielleicht wird es was, vielleicht nicht) aber auch Fast-Gewinne (z. B. zwei gleiche Symbole, das dritte knapp daneben) setzen in unserem Gehirn den Belohnungs-Botenstoff Dopamin frei. Wir sind schwer motiviert, weiterzumachen. Selbst wenn wir objektiv nichts gewonnen haben. Gleichzeitig produziert der Körper beim Glücksspiel große Mengen unseres Alarm-Botenstoffs Adrenalin. Herzklopfen, Kribbeln, schwitzige Hände und Hochspannung sind die Folge. Das sorgt dafür, dass wir uns beim Spielen besonders lebendig fühlen.
RIEN NE VA PLUS UND BITTE MEHR DAVON
Auch wenn wir jetzt wissen, dass seit jeher das Dreamteam der inneren Achterbahn – das Zusammenspiel aus Dopamin und Adrenalin – hinter unserer Lust am Unwahrscheinlichen steckt, lassen wir uns davon den Spaß nicht verderben. Denn in der Burg ziehen wir die Freude am gepflegten Spiel einem vernunftgeplagten Fachvortrag vor. Deshalb erteilen wir unseren Gästen die Lizenz zum Vergnügen und sagen: viel Spaß – und bis später in der Lobby.